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Anton Bruckner-Lexikon online: Artikel

Hartmann, Emil Ritter von

* 19.8.1853 Ried im Innkreis, Oberösterreich/A, † 12.11.1898 Wien/A. Beamter und Musikschriftsteller. Hauptberuflich Rechnungsrat im Ministerium des Äußern. Bis 1885 war er Redakteur der Deutschen Kunst- und Musikzeitung (DKMZ), später der Musikalischen Rundschau (MR), außerdem Mitarbeiter der Neuen Zeitschrift für Musik und der Neuen Wiener Musik-Zeitung. Er war Mitglied des Wiener Akademischen Wagner-Vereins und dort seit 1885 im Vorstand.

Hartmann war bei vielen Aufführungen von Werken Bruckners zumindest anwesend, publizierte als Redakteur auch Berichte z. B. von Franz Schalk (vgl. Briefe I, 841230), machte als Bruckner-Kritiker aber eine gewisse Entwicklung durch. 1883 – nach der Uraufführung der Mittelsätze der Sechsten Symphonie – äußerte Hartmann sich noch unentschieden, positiver allerdings über das Adagio (langsamer Satz), „welches immerhin eine bedeutende interessante Composition genannt zu werden verdient. Die Gedanken sind großartig erfunden, die Instrumentation, eine farbenprächtige, gibt Zeugniß davon, in welchem Umfange Bruckner die Effecte des Orchesters beherrscht. Das Scherzo konnte uns weniger behagen – es ist eine ganze Gespenstergeschichte“ (DKMZ 18.2.1883, S. 74). Zwei Jahre später schrieb er Lobeshymnen über Bruckners Streichquintett in F‑Dur: „eine Erweiterung jener Form, in welcher wir nichts Höheres, Großartigeres kennen und besitzen, als Beethoven‘s Quartette“ (DKMZ 17.1.1885, S. 33). Als „Ereigniss des dritten ordentlichen Gesellschafts‑Concertes dieser Saison“ (am 10.1.1886) bezeichnete Hartmann die Aufführung von Bruckners Te Deum (MR 20.1.1886, S. 150). Nach der Wiener Erstaufführung der Siebenten Symphonie am 21.3.1886 wurde er in der MR sehr nachdrücklich: „Die Philharmoniker haben [...] an einen lange verkannten, grossen vaterländischen Tondichter eine Ehrenschuld abgetragen, indem sie – Leipzig, München, Hamburg, Graz waren bereits vorangegangen –“ (MR 1.4.1886, S. 223) diese Symphonie aufführten. Es „scheint endlich für Anton Bruckner die Aera verdienter Werthschätzung angebrochen zu sein […]“, da durch Aufführungen dieser Symphonie, des Streichquintetts in F‑Dur und des Te Deum die Veranstalter „das Eis gebrochen haben“ (MR 1.4.1886, S. 224). 1887 schrieb er ebenso begeistert über die von Josef Schalk und Franz Zottmann zur Ausführung gebrachte Bearbeitung der Fünften Symphonie für zwei Klaviere (MR 1.5.1887, S. 219). Über das Konzert mit der Vierten Symphonie und dem Te Deum am 22.1.1888 urteilte er ebenfalls begeistert: „Die Symphonie gewann sich sichtlich zahlreiche neue Freunde aus allen musikalischen Parteien, ja selbst aus der Bruckner sozusagen diametral gegenüberstehenden.“ (MR 1.2.1888, S. 137). Hartmann rückte überhaupt die MR in „neudeutsche Sphären“ (Gruber, S. 208) und stellte auch noch später in einer Rezension (Neue Wiener Musik-Zeitung 1 [1889/90], S. 131f.) Bruckners Symphonien über die von Johannes Brahms (vgl. auch Briefe II, 900306). Nach 1891 dürfte er seine Kritiker-Laufbahn beendet haben.

Schriften
  • Deutschen Kunst- und Musikzeitung 18.2.1883, S. 74
  • Deutschen Kunst- und Musikzeitung 17.1.1885, S. 33f.
  • Von Wien, in: Musikalischen Rundschau 20.1.1886, S. 150f.
  • Von Wien, in: Musikalischen Rundschau 1.4.1886, S. 223ff.
  • Von Wien, in: Musikalischen Rundschau 1.5.1887, S. 219
  • Von Wien, in: Musikalischen Rundschau 1.2.1888, S. 136f.
  • Neue Wiener Musik-Zeitung 1 (1889/90), S. 131f.
Literatur

UWE HARTEN

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 8.1.2019

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Normdaten (GND)

Hartmann, Emil Ritter von: 1155506294

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