Anton Bruckner-Lexikon online: Artikel
Kinast, Erich
* 1.6.1863 Harburg, Bayern/D, † 25.12.1926 Gunzenhausen, Bayern/D. Evangelischer Theologe, Kulturforscher, Religionspsychologe.
Sohn eines Apothekers. 1881–1885 Theologie- und Philologiestudium in Erlangen sowie Jus-Studium in Leipzig. Besuch des Predigerseminars in München. Ab 1889 Vikar in Augsburg, anschließend Pfarrer in Lehmingen und Schwabach. Promotion 1900, graduiert zum licenciatus theologiae. Bis 1908 Prüfungskommissär der evangelischen Landeskirche Bayern. Ab 1911 kranksheitsbedingter Ruhestand in Gunzenhausen. Seine Kompositionen, für die er keinen Verleger fand, sind verschollen.
Zunächst Johannes Brahms-Anhänger, jedoch bereits als Student Hinwendung zu Franz Liszt und Richard Wagner (Neudeutsche Schule); nach der Jahrhundertwende bewusste und intensive Beschäftigung mit Bruckner. Bruckners Werke lernte er in Konzerten in Nürnberg kennen (vgl. Aufführungsverzeichnis bei Göll.-A. 4/4, S. 232–260 bzw. Horn, S. 151f.). Karl Grunsky machte Kinast auf die 1925 erschienene Publikation über Bruckner von Ernst Kurth aufmerksam, woraufhin Kinast seine Abhandlung über Kant und Bruckner an Kurth schickte und in einem Begleitbrief die Bitte äußerte, „die Dedikation desselben sich gefallen zu lassen“ (zit. n. Horn, S. 129). Auch Max Auer erhielt von Kinast noch vor der eigentlichen Publikation die Korrektur-Bögen seines Kant-Bruckner-Psychogramms. Auffällig ist, dass der Bruckner-Biograf August Göllerich, der 1890–1896 in Nürnberg lebte, bei Kinast nicht erwähnt wird.
Laut Kinasts Psychogramm bescherten Kant und Bruckner dank höchster schöpferischer Fantasie ihrer Zeit Neues an Ideen, bewältigten in genialer Konzentration eine außerordentliche Lebens- und Kulturaufgabe und gerieten infolge ihrer kreativen Einseitigkeit in persönliche Vereinsamung (Persönlichkeit).
Werke
- Vokalwerke (u. a. Oratorium zum 51. Psalm)
- Werke für Violine und Klavier
- Bearbeitungen für Klavier zu vier Händen von Bruckner-Werken
Schriften
- Beiträge zur Religions-Psychologie. Diss. Erlangen 1900
- Immannuel Kant, Anton Bruckner. Das Psychogramm des Philosophen und des Künstlers. Halle 1926
- Gottfried Sperl (Hg.), Religionspsychologische Grundlegung. Leipzig 1928
Literatur
- Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 4/4, S. 232–260
- Erwin Horn, Erich Kinast und Ernst Kurth: Drei Briefe um Bruckner, in: Bruckner-JahrbuchBruckner-Jahrbuch. (Wechselnde Herausgeber). Linz 1980ff. 2006–2010, S. 125–163
- ABCD
Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 15.1.2020
Zitierlink: https://www.bruckner-online.at/ABLO_d1e2245