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Anton Bruckner-Lexikon online: Artikel

Geburtstagsfeiern

Bruckner verbrachte in seinen späteren Jahren seinen Geburtstag (4.9.) zumeist auf Urlaub, entweder in St. Florian, Vöcklabruck oder Steyr, also weitab von seinem beruflichen Alltag in Wien. Er selbst scheint der Feier seines Geburtstages keine große Beachtung geschenkt zu haben und anlässlich seines runden Geburtstages 1884 meinte er: „Was brauchen denn d‘Leut z’wiss‘n, dass i schon sechzig Jahr bin!“ (Göll.‑A. 3/1, S. 585). Es liegen, außer zu den runden Geburtstagen, auch kaum Glückwunschschreiben an Bruckner vor. So schrieb etwa Rudolf Weinwurm am 4.9.1862 an Bruckner, ohne dessen Geburtstag zu erwähnen. Von Bruckner selbst liegen ebenfalls, wie im 19. Jahrhundert durchaus üblich, mehr Briefe aus Anlass des Namenstages als zum Geburtstag vor.

Am Abend des 3.9.1884 brachten die Liedertafel und die Bürgerkorpskapelle Vöcklabruck anlässlich seines 60. Geburtstages ein Ständchen mit Fackelbeleuchtung, was sich nur in zwei kurzen Notizen der Linzer Tages-Post (6.9.1884, S. 3) und der Deutschen Zeitung (7.9.1884, S. 7) niederschlug. Bruckner jedenfalls „dankte für die erwiesene Auszeichnung, gab der Freude Ausdruck, dass es ihm nun möglich sei, mündlich seinen Dank für die Ernennung zum Ehrenmitglied abstatten zu können“ (Chronik der Liedertafel Vöcklabruck 1883–1884, S. 30, zit. n. Leitner, S. 30). In späteren Jahren scheint Bruckner mehr Wert auf Geburtstagswünsche gelegt zu haben, wie beispielsweise die Bemerkung Josef Schalks in einem Brief vom 18.8.1885 an seinen Bruder Franz Schalk beweist: „Vergiß des 4. September nicht!“ (Briefe I, 850818). Bruckner selbst schrieb am 4.9.1887 aus Steyr an Hermann Levi: „Hallelujah! Endlich ist die Achte fertig“ (Briefe II, 870904).

Am 4.9.1889 feierte Bruckner seinen Geburtstag mit Franz Xaver Bayer, Anton Mayr (1830–1892) und dessen Töchtern Maria und Johanna Mayr (1870–1957) in St. Ulrich bei Steyr. 1893 erschienen fälschlicherweise einige Artikel zu Bruckners 70. Geburtstag. Wesentlich mehr öffentliche Aufmerksamkeit erregte Bruckners tatsächlicher 70. Geburtstag im Jahre 1894. Bereits am 26. August kündigte das Deutsche Volksblatt (26.8.1894, S. 8) das Geburtstagsfest in Steyr, wo sich Bruckner zu der Zeit aufhielt, an. Die Presse berichtete am 31. August von den Vorbereitungen: „Man rüstet sich nun in dieser Stadt, den Ehrentag des Meisters festlich zu begehen. Am Vortage des Freudentages, somit am Montag den 3. September, findet vor dem Pfarrhofe eine große Serenade der Gesangvereine und der Bürgermusikcapelle statt, bei welcher auch die ersten Vereine der Stadt vertreten sein werden. Am Festtage, Dienstag den 4. September, wird Vormittags eine Gemeindevertreter-Abordnung, an der Spitze der Bürgermeister Herr Redl, Dr. Bruckner beglückwünschen.“ (Abendblatt, 31.8.1894, S. 3). Das geplante Ständchen verschiedener Steyrer Vereine musste allerdings wegen der Erkrankung Bruckners abgesagt werden. Artikel zu Bruckner 70. Geburtstag erschienen u. a. in der Deutschen Zeitung (3.9.1894, S. 1f., und 4.9.1894, S. 1f., Theodor Helm), der Deutschen Kunst & Musik-Zeitung (21 [1894] H. 18, S. 226, Otto Lessmann) und dem Deutschen Volksblatt (4.9.1894, S. 1f., Camillo Horn). Die Neue Freie Presse brachte am 6.9.1894 eine Auflistung der Gratulanten (Abendblatt, S. 1). Es werden 70 Telegramme, 200 Briefe und das Ehrenbürgerdiplom der Stadt Linz genannt. Am 8. September erschien eine Dankadresse von Bruckner in der Steyrer Zeitung (8.9.1894, S. 5) und am 11. September in der Neuen Freien Presse: „Anläßlich meines 70. Geburtstages sind mir von allen Seiten die herzlichsten Glückwünsche und Beweise schmeichelhafter Werthschätzung zugekommen, die mich tief gerührt haben. Meine angegriffene Gesundheit macht es mir unmöglich, Allen persönlich oder schriftlich meinen innigsten Dank zu sagen, und ich bitte daher alle fürstlichen und gräflichen Hoheiten und alle meinen hohen Gönner, Vereine etc. denselben auf diesem Wege gütigst entgegennehmen zu wollen.“ (11.9.1894, S. 15).

Auch posthum wurde Bruckners Geburtstag festlich begangen. Zum 100. Geburtstag am 4.9.1924 erschienen zahlreiche Artikel, am Haus in der Heßgasse 7, 9. Bezirk, Wien, wurde eine Gedenktafel (IKO 148, Gedenkstätten) enthüllt und Nationalratspräsident Wilhelm Miklas (1872–1956) hielt bei der Sitzung des Nationalrates eine Gedenkrede. Die Musica Divina veröffentlichte im Juli 1924 eine Bruckner-Sondernummer. 1949 brachte die österreichische Post eine Gedächtnismarke (IKO 364) zum 125. Geburtstag heraus (Ikonografie). Die Österreichische Nationalbibliothek beging den 150. Geburtstag 1974 mit einer Ausstellung im Prunksaal, die Österreichische Akademie der Wissenschaften gab als Festgabe Bruckner-Studien (Bruckner-Studien 1975) heraus und in Linz veranstaltete die Arbeitsgemeinschaft Musikerziehung Österreich ein Symposion.

Seit 1996 wird alljährlich an Bruckners Geburtstag im Alten Dom in Linz ein Werk des Komponisten in einer zeitgenössischen vierhändigen Klavierfassung (Klavierbearbeitungen) aufgeführt. In den letzten Jahren fanden vermehrt Veranstaltungen an Bruckners Geburtstag statt, so z. B. ein Bruckner-Marathon („Brucknerathon“) in den USA (Nordamerika/Kanada).

Literatur

ANDREA HARRANDT

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 11.12.2017